Begabungsförderung
Förderkonzept für Kinder mit besonderen Fähigkeiten
Grundsätzliches
Die LIPSCHULE basiert u.a. auf dem Leitbild, dass alle Schülerinnen und Schüler individuell gefördert werden und Kinder mit besonderen Fähigkeiten die entsprechende Förderung erhalten.
Die RAHMENBEDINGUNGEN sind derart gestaltet, dass
- die Schulorganisation flexible, individuelle Lösungen ermöglicht und die Prozess-Steuerung im Classroom Management auf Enrichment und Empowerment baut.
- das Team eine Kultur der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Unterstützung pflegt.
- die Schüler/-innen in der klassenübergreifenden "Grossraum-Schule" den Umgang mit Heterogenität, innerer Differenzierung und konstruktivistischer Projektarbeit täglich vorleben.
Hinsichtlich
- der AUTONOMIE werden Freiräume geschaffen und Eigeninitiative unterstützt.
- der SOZIALEN EINGEBUNDENHEIT wird das "Wir-Gefühl", das Klima, gefördert.
- der KOMPETENZ schenken wir dem Aufbau des Selbstvertrauens grosse Beachtung.
Das Konzept
In der aktuellen Literatur finden wir verschiedene Modelle zur Begabungsförderung. Noch keines dieser Modelle stellt eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Theorie und Praxis dar. Alle Modelle zeigen aber - und wir finden das durch die Umsetzung der LIP-Pädagogik bestätigt - dass Motivation, Begabung und Kreativität von der Umwelt veränderbar sind.
Das Münchner Begabungsmodell (Heller,1995) beschreibt inhaltlich unabhängige Leistungsbereiche, verschiedene Begabungsfaktoren und nicht-kognitive Persönlichkeits- und Umweltmerkmale. Die leicht abgeänderte Darstellung bildet die Grundlage unseres Förderkonzeptes.

Es kommt deutlich zum Ausdruck, dass ein positives Leistungsverhalten dann vorhanden ist, wenn die entsprechenden Begabungsfaktoren und nicht-kognitive Persönlichkeitsmerkmale gefördert und unterstützt werden. Bei all diesen Einflüssen spielen die Umweltmerkmale eine bedeutende Rolle. Alle Bereiche gemeinsam beeinflussen das Lernverhalten.
Die folgenden Abschnitte erläutern das Münchner Begabungsmodell für die Arbeit in der Praxis an der LIPSCHULE.
Das Förderprogramm
Die Begabungen erkennen und unterstützen
Alle Kinder haben ein Recht auf eine adäquate Förderung. Die Begabungen sind vielfältig; für Hochbegabung gibt es über 100 Definitionen. Der IQ alleine ist nicht das Mass aller Dinge. H. Gardner spricht von verschiedenen Intelligenzen, die gegenseitig weder ausgespielt noch bewertet werden sollten.
Die grosse Vielfalt der Schüler/-innen-Persönlichkeiten verlangt, dass sich das gesamte LIP-Lehrteam regelmässig zu Gesprächen zusammenfindet. Dabei wird die Schulsituation der einzelnen Schülerinnen und Schüler diskutiert und analysiert.
Für das Erkennen und Unterstützen der vielfältigen Begabungen zählen wir auf die Zusammenarbeit mit Eltern und Fachpersonen vom Schulpsychologischen Dienst. Die zusammengetragenen Gedanken und Beobachtungen sollen eine Förderplanung im kognitiven, motorischen, kreativen, sozialen sowie im emotionalen und persönlichen Bereich ermöglichen. Je nach Fähigkeiten und Begabungen werden die entsprechenden Bereiche schwerpunktmässig gefördert. Was aber nicht heissen soll, dass die übrigen Bereiche nicht berücksichtigt werden. Schliesslich geht es uns um eine ganzheitliche Förderung der Sach- und Fachkompetenz, der Arbeits- und Selbstkompetenz und der Kommunikations- und Kooperationskompetenz.
Eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten bietet den Kindern eine gute Basis, ihre Neugier, ihr kreatives Arbeiten und ihre Motivation im Unterricht und im Förderprogramm umzusetzen.
Der grosse Team-Aufwand für die Beurteilung der Schüler/-innen-Beobachtungen soll auch schwierig zu erkennende Begabungen sichtbar machen. Merkmale des Denkens und Lernens, der Arbeits- und Selbstkompetenz, der Interessen und des Kommunikations- und Kooperationsverhaltens werden gemeinsam differenzierter beachtet. Insbesonders begabte Minderleister/-innen zeigen neben positiven häufig negative Verhaltensmerkmale und Eigenschaften; im Team sollen die tatsächlichen und potentiellen Begabungen neutral und ganzheitlich hinterfragt und entsprechende Massnahmen geplant werden.
Die Förderplanung
In regelmässigen Abständen findet eine Standortbestimmung mit allen Beteiligten (Kinder, Eltern, Lehrperson, u.a.) statt. Ziel dieser Standortbestimmung ist es, eine dem Kind angepasste Förderplanung für die nächste Zeit gemeinsam zu entwickeln. Formulierte Ziele in den Bereichen Lern-, Arbeits- und Sozialkompetenzen geben das nötige Gerüst für eine seriöse Durchführung der nächsten Arbeitsperiode.
Die Lehrperson führt mit allen Kindern eine konkrete Programmplanung durch. Die Auswahl der Projekte hängt von den Fähigkeiten, den Interessen, der Kreativität und der Motivation des Kindes ab. Das gesamte Programm wird mit einem Lernvertrag verbindlich. Das vorgängig gemeinsam geplante Wochenprogramm ermöglicht dem Kind stets einen Wechsel zwischen dem normalen Unterricht mit gleichaltrigen Kindern und dem individuellen Förderprogramm, das begleitet und anschliessend gemeinsam reflektiert wird.
Das Angebot
Im Rahmen des gesamten Stundenplanes der LIPSCHULE werden auf der Primarstufe zwei, auf der Sekundarstufe eine bis vier Lektionen pro Woche ausschliesslich dem erwähnten Förderprogramm gewidmet, d.h. die Kinder arbeiten während einem oder zwei Semestern an ihren individuellen Programmen. Während dieser Zeit finden ein regelmässiger Austausch und angeregte Diskussionen unter gleichgesinnten Kindern statt. Dadurch sollen die Kinder an Selbstvertrauen gewinnen sowie ihre Persönlichkeit, und Ihr Selbstwertgefühl stärken.
Die Inhalte der selbstständig geplanten Programme können sehr vielseitig und individuell gestaltet sein. Wir arbeiten mit zwei verschiedenen Fördermöglichkeiten:
Anreicherung (Enrichment)
Das Denken muss durch anspruchsvollere Aufgaben und Aufträge angeregt, vertieft und vernetzt werden, d.h. besonders wichtig sind Fragestellungen, welche ein kreatives, aktives, entdeckendes und forschendes Denken verlangen.
Beschleunigung (Compacting)
Kinder mit besonderen Fähigkeiten brauchen oft eine kürzere Übungsphase für bestimmte Themen, d.h. es können Aufgaben ausgelassen oder ein Thema während einer kürzeren Zeit bearbeitet werden. Somit kann die verfügbare Zeit z.B. nützlich für die Weiterbearbeitung des Programms eingesetzt werden. Kinder, die in einem Fach sehr gut sind, können diese Lektionen auch in einer höheren Klasse besuchen.
Weitere Schulstunden können nach Absprache und je nach Zielsetzung mit den jeweiligen Lehrpersonen ebenfalls für das Projekt eingesetzt werden. Damit keine Ausgrenzung trotz Altersunterschied stattfindet, besteht eines der Ziele darin, diese Förderung möglichst integriert im Klassen- und Niveauunterricht durchzuführen.
Die Lernbegleitung
Wir gehen davon aus, dass die Kinder eine Bereitschaft zu vertieftem und vernetztem Denken und Handeln mitbringen. Für ihre Entfaltung braucht es deren inneren Antrieb, aber auch Anregungen von aussen. Deshalb bieten wir eine Lernbegleitung im Sinne eines Mentorats, einer Moderation, einer Beratung oder eines Coachings an. Ausserschulische Fachpersonen, wie Tutoren, etc. sind herzlich willkommen und würden das Förderprogramm sicherlich positiv unterstützen.
Wichtige Unterrichtsziele und Fördermassnahmen
Kinder mit besonderen Fähigkeiten kennen ihre Stärken und Schwächen. Nun gilt es, diese Stärken zu fördern und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Schwächen nicht noch grössere Lücken aufweisen. Das Erlernen verschiedener Lern- und Arbeitstechniken, die Schulung in Arbeits- und Lernplanung und -organisation hilft den Kindern vermehrt, strukturiert vorzugehen.
Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Engagement, Kreativität, Motivation und Interesse sind hohe Ziele, die es mit Hilfe der individuellen Programme und Projekte anzustreben gilt.
Verschiedene Lernformen wie prozessorientiertes, zielorientiertes, problemorientiertes und entdeckendes Lernen sind für die Lehrpersonen nicht nur theoretische Fachbegriffe. Diese Lernformen werden auch täglich in der Praxis der LIPSCHULE umgesetzt.
Der individualisierte Unterricht ist die bestmögliche Form, ein Kind gemäss seinen Fähigkeiten, Interessen und Begabungen zu fördern.
Die ausserschulischen Fördermöglichkeiten
Begabtenförderung, die nur im Bereich der Schule bleibt, greift nur kurzfristig und braucht zu lange, bis sie neue Impulse von Aussen einbeziehen kann. Deshalb ist es wünschenswert, wenn die Kinder nach Möglichkeit an Wettbewerben, Camps, etc. teilnehmen oder auch auswärtige Tutoren, Mentoren sowie andere Partner aus Industrie, Universitäten, Fachhochschulen oder aus privaten Institutionen sich für die Förderung in der Schule interessieren. Die Kinder erhalten dadurch vermehrte Orientierungsmöglichkeiten auch ausserhalb der Schule.

Autor und Verantwortlicher für das Konzept:
Daniel Schubiger
Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.ehk.ch, dem Elternverein für hochbegabte Kinder.
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